Viecher nach Spielzeugnorm EN-71 – was steckt dahinter?

Ich werde öfter mal gefragt, ab wieviel Jahren die Viecher geeignet sind und ob man sie schon zur Geburt verschenken kann. Ein klares JA!
Die Viecher sind für Babys ab 0 Jahren geeignet und können mit gutem Gefühl auch schon den Kleinsten der Kleinen geschenkt werden. Warum ich da so sicher bin? Weil ich sie gemäß der Spielzeugnorm EN-71 herstelle und sie in diesem Rahmen zahlreiche Tests durchlaufen haben. Ich gebe euch hier mal einen Überblick, was es mit der Spielzeugnorm auf sich hat und was das für die Viecher und meine Arbeit an und mit ihnen bedeutet:

Spielzeugnorm?! Was ist das und wofür ist es gut?
Jeder, der gewerblich Spielzeug herstellt, ist gesetzlich dazu verpflichtet, die Spielzeugrichtlinie 2009/48/EG zu erfüllen. Darin stehen – teilweise recht vage formulierte – Anforderungen an physikalische und mechanische Eigenschaften, Entzündbarkeit, chemische Eigenschaften, elektrische Eigenschaften, Hygiene und Radioaktivität (!) des Spielzeugs. Die Spielzeugnorm EN-71 bringt hier Klarheit: Sie beschreibt konkret, welche Tests das jeweilige Spielzeug durchlaufen muss, um die Richtlinie zu erfüllen. Diese Tests kann man unter bestimmten Bedingungen selbst durchführen und die Ergebnisse in einer technischen Dokumentation festhalten. Teil dieser Dokumentation ist die EG-Konformitätserklärung – damit bestätige ich als Hersteller, dass die Viecher die Richtlinie erfüllen. Für euch ist das äußerlich über das CE-Zeichen sichtbar, das auf jedem Viecher-Etikett steht.

Welche Tests müssen die Viecher durchlaufen?
Puh, ich kann euch sagen, die haben was hinter sich! Von jedem Viech habe ich einen Testkandiaten gefertigt und der musste dann ran. Zum einen gibt es die Tests der physikalischen und mechanischen Eigenschaften: Dabei werden z.B. Ohren und Beine der Viecher verdreht und mit ordentlich Schmackes langgezogen (10 kg!). Man testet so, ob die Nähte halten und sich keine verschluckbaren Kleinteile lösen. Die Viecher haben das Geziehe mit Bravour gemeistert – sogar die Taschenmonster mit ihren kleinen Beinchen! Das macht einem schon mal ein super Gefühl in Sachen Verarbeitung.

Danach kommt die Sache mit der Waschbarkeit. Da meine Viecher für Kinder ab 0 Jahren geeignet sein sollen, war es vollkommen klar, dass sie auch eine Maschinenwäsche aushalten müssen: Feinwaschgang 30° C. Klar find ich’s schöner, wenn man sie von Hand wäscht, weil das liebevoller ist. Aber wenn ihr’s eilig habt, dann können die Herrschaften auch mal ne Runde in der Trommel drehen. Die Dreherei und Zieherei an Ohren und Beinen wurde nach dem Waschen übrigens erfolgreich wiederholt.

Danach geht’s an den Entflammbarkeitstest: Ist das Material brennbar und wenn ja, wie schnell breiten sich die Flammen aus? Auch dazu gibt es genau Vorgaben. Ihr könnt euch vorstellen, dass mir dieser Test besonders schwer gefallen ist – ein Viech anzuzünden und das Ganze dann auch noch zu filmen…böh… Jetzt habe ich ein paar angekokelte Märtyrer zu Hause rumliegen…aber ihr heldenhafter Einsatz war nicht umsonst: Den Brenntest haben alle bestanden.

Last but eigentlich first: die Auswahl der Materialien. Es gibt genaue Vorgaben, welche Stoffe in welcher Konzentration in den verwendeten Materialien enthalten sein dürfen. Gerade bei Kuscheltieren, die ja im besten Fall (für Viech und Kind) lange und viel Hautkontakt haben, muss man hier ganz sicher sein, dass die Qualität stimmt. Ich beziehe meine Materialien von Herstellern, die A) die Eignung nach Spielzeugnorm bestätigen können oder B) ein GOTS-zertifizierter Betrieb sind oder C) von denen mir Sicherheitsdatenblätter vorliegen. Dass ich überwiegend Bio-Materialien verarbeite, ist natürlich noch ein schöner Bonus in Sachen Nachhaltigkeit. 🙂

Warum haben die Viecher jetzt alle eine Nummer?
Die Sache mit den Nummern finde ich persönlich etwas lästig…zumindest bei den Taschenmonstern ist das ein ganz schöner administrativer Aufwand: Etiketten zuschneiden, Nummer drauf kleben, am TM festmachen, in einer Tabelle aufschreiben, welches TM welche Nummer hat und wann es gefertigt wurde… Aber genau darum geht’s bei der Sache: die Nachverfolgbarkeit. Sollte mit einem Viech mal etwas sein, kann ich so genau nachvollziehen, wann und mit welchem Material es gefertigt wurde.

Hast du das ganz allein gemacht?
Jein. Ich habe mich zuerst schlau gelesen – die Spielzeugrichtlinie gibt’s frei im Netz, die Leitlinien dazu auch und die Norm EN-71 habe ich in der Uni-Bib Hannover durchgearbeitet. Im Netz gibt es zudem Dokumente und Blogbeiträge, die einem eine erste Vorstellung der ganzen Sache geben.

Bei meinen Recherchen bin ich dann auch auf den Verein Wir machen Spielzeug e.V. gestoßen. Über die Mitgliedschaft hatte ich Zugang zum Vereinsforum und der Facebook-Gruppe und konnte mir dort auch viele Infos und Anregungen holen.

Bei den Tests haben mich dann mein Mann und mein Papa unterstützt – mit kräftigen Händen, Erfindergeist, dem Finger auf dem Kamera-Auslöser und der sonstigen technischen Ausstattung (Bunsenbrenner!). 🙂

Ihr seht also: Die Viecher und ich haben mittlerweile so Einiges zusammen durch. Umso größer sind die Freude und der Stolz, sie unters Volk zu bringen! 😀

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